Victor Imboua-Niava: ein hoch angesehenes Mitglied von Calliope-Interpreters

 | Aus der Schule geplaudert

Fast 20 Jahre lang war Victor Imboua-Niava das Calliope-Mitglied für Westafrika. Victor war ein hervorragender beratender Dolmetscher und Konferenzdolmetscher, der sich durch Bescheidenheit und Großzügigkeit auszeichnete und immer bereit war, seine Erfahrung und sein Wissen mit anderen zu teilen.

Victor Imboua-Niava

Victor Imboua-Niava hat sich vor allem in Afrika um den Beruf des Konferenzdolmetschers verdient gemacht. Seine Kunden konnten sich darauf verlassen, bei ihm Dolmetschdienstleistungen auf höchstem Niveau zu erhalten. Als langjähriges aiic-Mitglied bekam er 2002 das Angebot, Calliope-Interpreters beizutreten. Danielle Gree, eines der Gründungsmitglieder, erinnert sich noch gut an den Tag, an dem sie Victor fragte, ob er Calliope in Westafrika vertreten wolle: “Er war überrascht, sogar geschmeichelt, und nahm mit großer Bescheidenheit an, obwohl er für uns ganz klar der Favorit war. Victor war als hervorragender beratender Dolmetscher und Organisationstalent mit höchsten Standards bekannt, der für seine Kollegen zuverlässig die besten Arbeitsbedingungen durchsetzte.”

Victor wurde am 13. Februar 1952 in Daloa, Côte d’Ivoire, geboren. Schon früh entdeckte er seine Leidenschaft für Sprachen und beschloss, Konferenzdolmetscher zu werden. Dazu hatte ihn, wie er später erzählte, das Gedicht "The Road Not Taken" von Robert Frost inspiriert. Ursprünglich war es Neugier, die ihn dazu veranlasste, den "weniger bereisten Weg" zu nehmen. Und dann wurde aus der Neigung eine Herausforderung, Fähigkeiten zu erlernen, die die meisten Studierenden und sogar einige Lehrende nicht vollständig verstehen oder als zu schwierig abtun. Wie wir alle wissen, wurde Victor ein Meister seines Faches.

Seine Ausbildung zum Konferenzdolmetscher absolvierte Victor an der Polytechnic of Central London (inzwischen University of Westminster). Jennifer Mackintosh, damals Leiterin der Abteilung, erinnert sich, dass er “nicht nur ein engagierter und fleißiger Student war, sondern sowohl während der Kurse als auch außerhalb durch seine ruhige, höfliche Art und warmherzige Persönlichkeit herausstach." Nach dem Abschluss ließ sich Victor bei mehreren internationalen Organisationen akkreditieren und arbeitete im Rahmen einer unvergesslichen Mission als persönlicher Dolmetscher des ehemaligen Weltbankpräsidenten James Wolfensohn. Kreuz und quer durch Afrika ging es in Wolfensohns Geschäftsflugzeug, und Victor dolmetschte anlässlich eines Dinners der politischen Elite in Kinshasa konsekutiv für Präsident Kabila. 1985 gründete Victor Symposia Consult seine eigene Firma für Dolmetschdienstleistungen.

Seit seinem Tod haben zahllose Dolmetscher-Kollegen Victor gewürdigt, und zwar nicht nur wegen seiner hochprofessionellen Art, sondern vor allem wegen seiner Weisheit und Kollegialität. Bei Calliope wird Victor immer als ein wahrer Gentleman in Erinnerung bleiben, freundlich und zugewandt, immer ruhig und mit einem Lächeln auf den Lippen.

Veronica Perez-Guarnieri, Calliope-Mitglied für das spanischsprachige Südamerika, erinnert sich noch, wie nervös sie bei ihrer ersten Calliope-Sitzung 2015 in Paris war, und wie Victor sie beruhigt hat: “Ich sehe noch Dein freundliches, warmes Lächeln und höre Deine Worte, die wie Balsam gewirkt haben, als du mir gesagt hat: Du passt perfekt hierher.“  Seitdem haben wir unzählige Gespräche über Geschäftsideen geführt, aber auch über das Leben und die Familie, was noch viel wichtiger ist. Du hattest immer das richtige Wort zur rechten Zeit parat. Du warst ein Leuchtturm in der Welt der Dolmetscher und für Deine Freunde.”

Rosaura Bartumeu, Calliope-Mitglied für Andorra, wird Victors Freundlichkeit und Geduld, gepaart mit einem unvergleichlichen Sinn für Humor, niemals vergessen, wovon sie bei einer Einkaufstour nach einem Auftrag profitieren durfte: “Nach einem langen Arbeitstag in Dakar war Victor so nett, die europäischen Kolleginnen mit zum Einkaufen in einem überdachten Markt zu nehmen, wo wir eine Ewigkeit damit verbrachten, Kaftans und Boubous anzuprobieren. Er thronte auf einem Stuhl, sah uns zu und gab Ratschläge, als sei er unser älterer Bruder, ohne jemals Anzeichen von Müdigkeit oder Langeweile zu zeigen!"

Trotz der hohen Anforderungen, die sein Berufsleben an ihn stellte, war Victor seiner Familie immer sehr nah. Seine innige Verbundenheit mit seiner Frau, Rowena des Bordes-Imboua, und seinen Kindern Patti, Louise und Will, war für alle deutlich sichtbar.

Calliope ist unendlich dankbar, in Victor einen so großartigen Freund und Kollegen gehabt zu haben. Wir und die gesamte Welt der Konferenzdolmetscher werden ihn schmerzlich vermissen.

Auf Wiedersehen und lebe wohl, Papa Victor.

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