Katalanisch, eine Konferenzsprache?

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Seitdem Katalanisch an Kataloniens Schulen unterrichtet wird, verbreitet es sich auch in anderen Bereichen, zum Beispiel bei internationalen Tagungen in Katalonien. Außerdem gilt es als halbamtliche Sprache in der EU. Doch soll Katalanisch auch systematisch bei Tagungen in Barcelona eingesetzt werden?

Katalanisch – ein historischer Abriss

Nachdem Katalanisch unter Franco verboten war, wurde es 1979 als Amtssprache Kataloniens rehabilitiert, mit Einrichtung der autonomen Region Katalonien dem Spanischen gleichgestellt und 1983 und 1998 auf gesetzlichem Weg weiter standardisiert. Nach dem Wegfall von Francos Verbot wurde Katalanisch allgemein gefördert und als Unterrichtsfach eingeführt. Mittlerweile findet man die katalanische Sprache in jeder Facette des politischen, sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Lebens der Region. Wer sich in die pulsierende und beliebte Hauptstadt Kataloniens Barcelona aufmacht, wird Katalanisch auf Schritt und Tritt antreffen.

Katalanisch als Konferenzsprache auf dem Privatmarkt

In welchem Ausmaß wird aber bei internationalen Tagungen überhaupt Katalanisch gesprochen? Setzt es sich immer mehr durch? Wird Simultandolmetschen mit Katalanisch als Ausgangs- und Zielsprache oft nachgefragt?

Katalanisch hat sich in der Region tatsächlich zu einer wichtigen Konferenzsprache entwickelt. Während Katalanisch anfangs als passive Sprache (Verdolmetschung in andere Sprachen) zugelassen war, setzt es sich im regionalen Konferenzbetrieb zusehends auch als aktive Sprache durch, d.h. es wird von anderen Konferenzsprachen auch in das Katalanische gedolmetscht. Es gibt sogar internationale Tagungen, bei denen ausschließlich Katalanisch und Englisch gesprochen werden, und bei den Sitzungen des Stadtrats von Barcelona ist die Verdolmetschung ins Katalanische mittlerweile Pflicht, während früher einfach entweder Spanisch oder Katalanisch gesprochen wurde. Die Pressekonferenzen der Medaillengewinner bei den Olympischen Sommerspielen von 1992 in Barcelona wurden in mindestens vier Sprachen (darunter auch Katalanisch) verdolmetscht. Der eigentliche Wendepunkt kam jedoch mit dem Universal Forum of Cultures Barcelona 2004, bei dem Katalanisch systematisch als Arbeitssprache eingesetzt wurde. Danielle Grée, die Vertreterin von Calliope in Spanien und Chefdolmetscherin des Forums, erinnert sich, dass bei dieser fünf Monate dauernden Großveranstaltung mit über 50 Konferenzen und insgesamt 4.700 Dolmetschertagen Katalanisch stets als passive, oft aber auch als aktive Sprache verwendet wurde.

Anders sieht die Situation in Andorra aus. Da das Fürstentum in den Pyrenäen nur eine offizielle Sprache hat, nämlich Katalanisch, wird bei allen Tagungen mindestens vom Katalanischen in die anderen Konferenzsprachen gedolmetscht. Rosaura Bartumeu, Geschäftsführerin von LEXIC und Calliopes andorranisches Mitglied, sagt denn auch, dass Katalanisch bei 99 Prozent der Tagungen, für die sie Dolmetscherteams zusammenstellt, eine der Konferenzsprachen ist.

Die katalanische Sprache in den Europäischen Institutionen

Im Jahre 2005 genehmigte die Europäische Kommission den passiven Gebrauch der halbamtlichen Sprachen Spaniens (Baskisch, Galicisch und Katalanisch/Valencianisch) bei EU-Sitzungen, wenn der entsprechende Antrag rechtzeitig gestellt wird und Spanien die Kosten trägt. Diesem Entschluss schloss sich 2006 auch das Europäische Parlament an. Im Gegensatz zu den Gepflogenheiten auf dem Privatmarkt wird allerdings keine Verdolmetschung ins Katalanische angeboten, da es sich dabei nicht eine Amtssprache der EU handelt. Die Generaldirektion Dolmetschen der Europäischen Kommission ist mit jährlich beinahe 100.000 Dolmetschertagen die weltweit größte Nutzerin von Dolmetschdienstleistungen. Bei lediglich acht Prozent der 2015 von ihr organisierten Sitzungen kamen Nicht-EU-Sprachen zum Einsatz. Und nur bei vier Sitzungen des Rats der Europäischen Union und sechs Plenarversammlungen des Europäischen Ausschusses der Regionen war in jenem Jahr Katalanisch als passive Sprache zugelassen. Angebot und Nachfrage für Katalanisch halten sich demnach in Grenzen.

Katalanisch als Arbeitssprache Ihres nächsten Kongresses?

Nachdem die katalanische Sprache standardisiert ist und die Katalanen verständlicherweise stolz darauf sind, ihre Sprache zu sprechen, wird es natürlich außerordentlich geschätzt, wenn bei einer internationalen Konferenz in Katalonien oder Andorra eine Verdolmetschung aus dem Katalanischen angeboten wird. Dies gilt vor allem, wenn lokale Würdenträger die Konferenz eröffnen. Wenn sich die Tagung außerdem mit traditionellen lokalen Angelegenheiten (z.B. dem Textil- oder Papiersektor) befasst oder Themen erörtert werden, zu denen überwiegend auf Katalanisch geforscht wird (Medizin, chemische Industrie), freuen sich die örtlichen Vertreter, wenn sie sich in ihrer gewohnten Arbeitssprache ausdrücken dürfen. Für die lokalen Teilnehmer wird ein Event natürlich umso attraktiver, wenn dabei eine Verdolmetschung ins Katalanische angeboten wird.

Wenn Sie bei Ihrer nächsten Veranstaltung Katalanisch als Arbeitssprache nutzen möchten, berücksichtigen Sie bitte, dass nur verhältnismäßig wenige Konferenzdolmetscher überhaupt mit Katalanisch arbeiten, vor allem außerhalb Kataloniens. Deshalb sollten Sie Ihre Dolmetscher möglichst frühzeitig buchen. Wenn Sie eine Tagung mit Verdolmetschung in Spanien oder Andorra planen, nehmen Sie Kontakt mit unserem spanischen Mitglied Danielle Grée auf oder wenden Sie sich an Rosaura Bartumeu, Calliopes Vertreterin in Andorra. Beide würden sich freuen, ein für Ihr Budget optimiertes Team zusammenstellen.

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