Bekenntnisse einer Konferenzdolmetscherin

 | Aus der Schule geplaudert

Es gibt viele talentierte Linguisten und Übersetzer, die von sich selbst sagen, für das Dolmetschen nicht geschaffen zu sein. Sie können sich nicht vorstellen, unter Druck zu arbeiten, einen Schnellredner nach dem Anderen zu dolmetschen. Vollblutdolmetscher jedoch blühen unter solchen Bedingungen auf. Vielleicht sind wir so verdrahtet? Lesen Sie die Bekenntnisse einer Dolmetscherin und entdecken Sie ihre Leidenschaft für diesen Beruf.

Sprachen: eine Liebesgeschichte

Es gibt keine Erklärung für die Liebe zu Sprachen. Höchstens noch bei Dolmetschern, die in mehrsprachigen Familien oder verschiedenen Ländern aufgewachsen sind. Oder die ihre Neigung in der Schule entdeckt und die Sprachkompetenzen später im Ausland ausgebaut haben. Was zählt wirklich? Dass man seine Muttersprache beherrscht und eine gute Kenntnis der erlernten Fremdsprachen hat. Wie auch immer man seine Kompetenzen erworben hat - wenn man mit Sprachen seinen Lebensunterhalt verdienen möchte, gehören lebenslanges Lernen und Wissensdurst einfach dazu.

Sternstunden

Da sind diese Sternstunden, wenn wir ganz und gar eintauchen in eine Rede. Die Kunst des Dolmetschers besteht darin, in die Haut des Redners zu schlüpfen und dessen Botschaft zu seiner eigenen zu machen. Wir versetzen uns in diese Person, um zu erspüren, was sie sagen wird. Wir versuchen, ihre Gedanken mit Worten auszudrücken, die sie selbst nicht treffender hätte wählen können. Es gibt nichts Besseres!

Der Dolmetscher - ein Künstler

Im Grunde übertragen wir die Botschaft des Redners wie Schauspieler, aber wir arbeiten ohne Drehbuch. Wie die Zuhörer hängen wir an den Lippen des Redners, denn auch wir hören seinen Beitrag zum ersten Mal. Und doch müssen wir der sein, den wir hören: wir sind der Redner und wir sind seine Stimme. Mal überzeugend, mal zögernd, mal spaßig und dann wieder ernst. Wir müssen auch an unser Publikum denken, aber im Unterschied zum Schauspieler darf man uns nicht sehen. Die Zuhörer hören uns und denken, sie hören den Redner.

Das Rüstzeug

Dolmetscher müssen das in einer Sprache Gesagte in eine schlüssige Aussage in einer anderen Sprache umwandeln und dabei die kulturellen Unterschiede entwirren, die für das Verständnis hinderlich sind. Neues Vokabular und neue Ideen müssen sie in Rekordzeit verinnerlichen und vor allem die Kernbotschaft und die Struktur einer Rede herausfiltern. Ohne geistige Beweglichkeit ist das unmöglich, insbesondere bei hochspezifischen Inhalten. Auch das Umfeld ändert sich ständig - bei jedem Einsatz muss man sich auf andere Redner, Konferenzorte, Themen und Kollegen einstellen. Eines jedoch ist unveränderlich: unsere Verschwiegenheit.

Konferenzen

Eine Konferenz folgt der nächsten, und doch ist es jedes Mal anders. Es ist wie in der Werbebranche - eine Vielzahl von Material und Themen wird abgedeckt. Manchmal wird der Wissensdurst angefacht, andere Sachverhalte kennt man bereits. Konferenzen sind wie Bücher: Einige sind sehr anregend, andere leicht zugänglich und wieder andere erfordern besonderen Einsatz. Dolmetscher schätzen die Vielfalt und den ständigen Wissenserwerb, den ihre Tätigkeit auf internationalen Konferenzen mit sich bringt.

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Martine BONADONA
Calliope Frankreich