Argentinien als Vorreiter für Normenarbeit im Bereich Konferenzdolmetschen in Südamerika

 | Aus der Schule geplaudert

Argentinien hat in den letzten Jahren eine wichtige Rolle bei der Weiterentwicklung der Normen für Konferenzdolmetschen gespielt, sowohl auf internationaler als auch auf nationaler Ebene. Bis Ende des Jahres sollte die argentinische Dachnorm für Konferenzdolmetschen in Kraft sein.

Internationale und nationale Normen stehen in engem Zusammenhang

Berufsverbände wie die AIIC haben in den letzten Jahren internationale Normen für Übersetzen und Dolmetschen entwickelt, um eine gute Qualität zu gewährleisten und um Dolmetsch-dienstleistungen anderen regulierten Dienstleistungen auf internationaler Ebene anzugleichen. Diese bedeutsame und harte Arbeit wird im technischen Ausschuss ISO TC37/SC5/WG2 "Konferenzdolmetschen" von Experten aus verschiedenen Ländern, Industrie und Wirtschaft, NROs und anderen Parteien durchgeführt. Argentinien hält den Vorsitz der WG2 und spielt somit eine besonders aktive Rolle, da es für die Leitung und die Aktivitäten dieser Gruppe verantwortlich ist.

Außerdem nimmt Argentinien durch seinen nationalen Ausschuss beim IRAM (Instituto Argentino de Normalización y Certificación) aktiv an der Entwicklung von internationalen Normen für Konferenzdolmetschen teil. Dabei handelt es sich um das nationale Normungsorgan, das in Südamerika eine führende Rolle bei der Entwicklung lokaler Normen für Konferenzdolmetschen spielt.

Argentinien als Wegbereiter der Normung in Südamerika

Gegen Ende 2015 hat Argentinien die ISO-Norm 13611 über Gemeindedolmetschen verabschiedet, die erste internationale Norm dieser Art. Die Norm unterscheidet klar zwischen Gemeindedolmetschen (einer Art des Dolmetschens, die Personen mit geringen landessprachlichen Kenntnissen in Krankenhäusern, Gemeinschaftseinrichtungen, Schulen etc. angeboten wird) und anderen Arten wie z.B. das Konferenzdolmetschen, das ganz andere Fähigkeiten voraussetzt. Die Veröffentlichung dieser Norm hatte eine ganz besondere Bedeutung. Sie hat nicht nur bei den Kunden und Nutzern ein Bewusstsein für unsere Dienstleistungen geschaffen. Seit seiner Verabschiedung müssen sich auch alle Regierungsstellen bei ihren Ausschreibungen an diese Norm halten.

Erarbeitung einer Dachnorm für Konferenzdolmetschen

Das IRAM hat überdies mit der Erarbeitung einer Dachnorm für Konferenzdolmetschen begonnen, von der sich Einzelnormen ableiten lassen. Sie umfasst Bestimmungen über die Arbeitsbedingungen, Dolmetscharten und die Qualifizierung von Dolmetschern. Die Expertengruppe besteht aus Vertretern des Internationalen Dolmetscherverbands (AIIC), einschlägiger Dolmetschinstitute, des Argentinischen Dolmetscherverbands (ADICA), und des Colegio de Traductores Públicos de la Ciudad de Buenos Aires (CTPCBA).

Für die Arbeitsgruppe ist 2016 von entscheidender Bedeutung, denn die Norm soll dieses Jahr fertiggestellt werden. Mit etwas Glück wird die neue Dachnorm nächstes Jahr um diese Zeit bereits in Kraft sein.

Der Erfolg dieser Normenarbeit in Argentinien und andernorts ist der engen Zusammenarbeit und Kompromissbereitschaft vieler Parteien zu verdanken. Die Norm soll in erster Linie den Kunden eine Garantie für Qualitätsarbeit bieten, die Arbeitsbedingungen für Dolmetscher verbessern und den Beruf sichtbarer machen. AIIC und ADICA haben die Arbeit tatkräftig unterstützt.

 

Verónica Pérez Guarnieri, Calliope-Mitglied für das spanischsprachige Südamerika und Vorsitzende der ISO TC37/SC5/WG2, mit anderen AIIC/ADICA-Mitgliedern und dem offiziellen Vertreter der IRAM beim Tag des Dolmetschers in Argentinien.

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